Teacher-ProGRESS: Lehrkräfte zur Mitwirkung gesucht!

Teacher-ProGRESS entwickelt ein Unterstützungspaket für Lehrkräfte, um deren emotional-soziale Belastungen im Schulalltag zu verringern. Aktuell sucht das Projekt Lehrkräfte zur Mitwirkung, die einen neuen Fragebogen zu Gruppendynamiken in ihrer Klasse oder Lerngruppe ausprobieren und dazu Rückmeldung geben.

Zahlreiche Studien belegen es: Lehrkräfte haben einen der emotional anspruchsvollsten Berufe überhaupt. Zehn bis zwanzig Prozent aller Schüler*innen gelten in Deutschland als „verhaltensauffällig“. Egal ob Grundschule, Sekundarschule oder Gymnasium, in fast jeder Klasse sitzt mindestens ein Kind oder Jugendlicher, der zum Beispiel auffällig aggressiv oder depressiv ist. Und das Unterrichten in diesen Klassen ist für Lehrkräfte enorm schwer. Oft spielt auch Mobbing hier eine Rolle.

Lösungsansatz von Teacher-ProGRESS

Warum ist das so? Eine der Hauptursachen von schwierigem Schüler*innenverhalten sind sogenannte regressive Gruppendynamiken. Das sind sichtbare oder latente Stimmungen in der Klasse, zu denen alle beitragen. Also nicht nur “schwierige” Schüler*innen, sondern auch die Mitschüler*innen und selbstverständlich auch die Lehrkraft. Oft passiert das “wie von selbst”, ohne dass es den beteiligten Personen überhaupt bewusst ist. Bei Teacher-ProGRESS lernen Lehrkräfte, diese Gruppendynamiken in Klassen besser zu verstehen und positiv zu beeinflussen.

Die Fortbildungsreihe baut auf der gruppenanalytischen Methode auf, die das Erfahrungslernen in den Vordergrund stellt. Das bedeutet, dass Fortbildungsteilnehmende keine abstrakten Theorien lernen. Stattdessen erleben sie sich selbst im Kontext einer realen Gruppe von Lehrkräften, die durch eine*n ausgebildeten Gruppenanalytiker*in geleitet und gefördert wird. In mehreren Terminen werden konkrete Fallbeispiele besprochen, die die Teilnehmenden selbst einbringen. Gemeinsam werden Lösungswege erarbeitet. Das führt zu einer nachhaltigen sozial-emotionalen Entlastung. In der Folge können Lehrkräfte auch schwierige Klassen leichter und besser unterrichten. Ihre Berufszufriedenheit nimmt zu.

Fragebogen zur Gruppendynamik in Klassen

Feedback wirkt. Wenn man Schüler*innen die richtigen Fragen stellt, leisten sie mit ihren Rückmeldungen einen entscheidenden Beitrag dazu, dass Lehrkräfte die Gruppendynamiken in Klassen besser verstehen und beeinflussen können. Teacher-ProGRESS entwickelt dazu aktuell eine Fragebogen-Vorlage, die an die verschiedenen Schulformen angepasst wird. Dafür sucht das Projekt möglichst viele Lehrkräfte, die den Fragebogen ausprobieren und dazu Rückmeldung geben. Konkret geht es um zwei kurze Erhebungen (ca. 15-30 Minuten) in einer oder mehreren Klasse(n) im Laufe des Schuljahres 2022/23. Die Befragungen werden mit der Edkimo App durchgeführt.

Was haben Lehrkräfte von Ihrer Mitwirkung?

Alle mitwirkenden Lehrkräfte erhalten das Ergebnis ihrer Befragung zusammen mit einer ersten Interpretationsanleitung. Außerdem haben die teilnehmenden Lehrkräfte die Möglichkeit, an einem Probetermin der Fortbildungsreihe von Teacher-ProGRESS kostenfrei teilzunehmen.

Mehr Infos zum Projekt Teacher-ProGRESS finden Sie auf der Website des Projekts. Das Infoblatt von Teacher-ProGRESS können Sie runterladen, in Ihrer Schule aushängen oder an interessierte Lehrkräfte versenden.

Edkimo kooperiert mit Teacher-ProGRESS und hat mit dem Projektleiter Dr. Lars Dietrich im Februar 2022 ein Interview zum besseren Verständis von Klassen als Gruppen geführt.

Wie entsteht Feedbackkultur an Schulen?

Wenn Feedback an Schulen zur Kultur wird: Unter diesem Motto diskutierten am 28. April 2022 rund zwei Dutzend Lehrkräfte im Rahmen eines Onlineworkshops. Eingeladen hatten innovationhub.schule und Edkimo.

Wer wünscht sie sich nicht, die fast schon sagenumwobene “Feedbackkultur”? Sie kommt immer dann ins Spiel, wenn Schulen sich als lernende Organisationen verstehen, wenn Lehrkräfte ihren Unterricht weiterentwickeln wollen und wenn Schülerinnen und Schüler als Expert*innen für den eigenen Lernprozess gefragt und ernstgenommen werden. Aber wie entsteht eine Feedbackkultur an Schulen? Was ermöglicht sie und was steht ihr im Wege? Ab wann wird Feedback eigentlich zur Kultur? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Themenworkshops Feedbackkultur, der von Berit Moßbrugger (innovationhub.schule) und Jessica Zeller (Edkimo) konzipiert und moderiert wurde.

Feedback an der Schule ist…

Zunächst haben wir die Teilnehmenden danach gefragt, was Feedback an der Schule überhaupt ist. Die Antworten haben wir live als Wortwolke mit Edkimo visualisiert.

Spannend, aussagekräftig und wechselseitig wurden von den Befragten als Eigenschaften genannt. Doch im Zentrum steht vor allem ein Begriff: Feedback an der Schule ist wichtig!

Feedback im Schulalltag

Anschließend berichteten zwei Lehrerinnen exemplarisch über die Bedeutung von Feedback in Ihrem Schulalltag.

Claudia Schräder, QM-Beauftragte an den Beruflichen Schulen Kirchhain, stellte den breitgefächterten Einsatz der Feedback-App Edkimo an Ihrer Schule vor. Einerseits im Rahmen der umfassenden jährlichen Evaluation in allen Klassen mit zusammengefassten und vergleichbaren Ergebnissen. Aber auch als niedrigschwelliges digitales Tool für ein Unterrichtsprojekt, bei dem Schüler*innen mit Edkimo eigene Fragebogen erstellen und Befragungen durchführen

Franziska Langer vom Burggymnasium Friedberg berichtete über das Projekt “Feed2Teach”, das im Rahmen einer Innovationsreise mit dem innovationhub.schule entstanden ist und auch als ein kurzer Film dokumentiert wurde. Die Schule ist ein Oberstufengymnasium mit einer heterogenen Schülerschaft, die nur die drei Jahre bis zum Abitur an der Schule verbringt. Digitales Echtzeit-Feedback erleichtert den Austausch mit der Lerngruppe und trägt nachhaltig zur Verbesserung der Unterrichtsqualität bei.

Stimmen aus dem Workshop

Wie kann Feedbackkultur an Schulen entstehen und verstetigt werden? Wie finden Schülerinnen und Schüler mehr Gehör? Im folgenden Audio haben wir die Inputs der beiden Lehrkräfte und Stimmen aus der Diskussion mit den Teilnehmenden als O-Ton-Collage zum Nachhören zusammengefasst. Hören Sie selbst!

Wie weiter mit der Feedbackkultur an Schulen?

Zum Abschluss der Veranstaltung haben wir die Teilnehmenden noch einmal befragt: Was könnten erste oder nächste Schritte für die Entwicklung einer Feedbackkultur an Ihrer Schule sein? Hier sehen Sie dazu ausgewählte Antworten.

“Dranbleiben” heißt eines der Statements der Befragten. Dieses Ziel nehmen alle Teilnehmenden mit auf den Weg. Wir als Veranstalterinnen von innovationhub.schule und Edkimo danken Claudia Schräder und Franziska Langer, dass Sie Ihre Beispiele und Erfahrungen zur Feedbackkultur an Ihrer Schule mit uns geteilt haben und allen Lehrkräfte für die Teilnahme und spannende Diskussion. Bis zum nächsten Mal!

Interessieren Sie als Schule sich für eine Innovationsreise mit dem innovationhub.schule? Hier geht es zur Website. Möchten Sie als Lehrkraft die Feedback-App Edkimo kostenlos und unverbindlich ausprobieren? Hier geht es zur Registrierung.

Teacher-ProGRESS: „Die Klasse als Gruppe besser verstehen“

Zwischen zehn und zwanzig Prozent der Schüler*innen in Deutschland leiden unter psychosozialen Beeinträchtigungen, sind also verhaltensauffällig. Dr. Lars Dietrich ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Humboldt-Universität Berlin. Dort entwickelt er das Fortbildungsprogramm Teacher-ProGRESS, mit dem Lehrkräfte lernen, dieser Herausforderung im Schulalltag besser zu begegnen. Wir kooperieren mit Teacher-ProGRESS und haben ihn zu diesem spannenden Projekt interviewt.

Fotot von Dr. Lars Dietrich, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Humboldt-Universität Berlin
Dr. Lars Dietrich forscht an der HU Berlin zum besseren Umgang mit „schwierigen“ Schüler*innen.

Psychosoziale Beeinträchtigungen sind kein Randphänomen

Viele Lehrkräfte sind unzufrieden mit Ihrem Beruf, die Burnoutrate ist unglaublich hoch. Was ist da los?

Lars Dietrich: Nun, statistische Ergebnisse zu Burnoutraten und Berufsabbrüchen unter Lehrkräften zeigen uns deutlich, dass etwas strukturell nicht funktioniert. Lehrkräfte geraten sehr oft in Situationen, mit denen sie nicht mehr umgehen können und entscheiden sich aus diesem Grund, den Beruf wieder zu verlassen. Das liegt daran, dass sie für das, was sie in Schulen tun müssen, nicht umfassend genug ausgebildet wurden. Viele Schülerinnen kommen mit großen Verhaltensproblemen in die Schule, viel mehr als generell angenommen wird, oder viel mehr als es einem die Lehrkräfteausbildung weißmachen will. Dort wird das als ein Randphänomen abgehandelt. Tatsächlich aber sind in einer Klasse von zwanzig Schülerinnen im bundesweiten Durchschnitt zwei bis vier Schüler*innen auffällig, was ihr Verhalten angeht. Das macht natürlich etwas mit der ganzen Klasse und mit ihrer Klassendynamik. Das macht etwas mit der Beziehung der Klasse zu den Lehrkräften und das ist ein Problem, das in der Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte bisher viel zu wenig thematisiert wird.

Nach zwei Jahren Pandemie sind die Probleme der Schüler*innen ja nicht weniger geworden…

Ja, die Frage, wie es den jungen Menschen eigentlich emotional geht, ist etwas, das in der Pandemie gerade zu Beginn extrem zurückstecken musste. Die Debatte rund um Schule unter Coronabedingungen drehte sich vor allem darum, Lernlücken zu schließen, also Wissenserwerb nachzuholen. Glücklicherweise hat sich jetzt langsam die Erkenntnis durchgesetzt, dass insbesondere die psychischen Probleme der Schüler*innen in den letzten zwei Jahren enorm zugenommen haben. Und die Lehrkräfte sind natürlich die ersten, die das spüren und die darunter leiden müssen, da sie jetzt Klassen vor sich haben, die noch schwieriger zu unterrichten sein werden als vorher.

Klasse als Gruppe besser verstehen

Der Umgang mit psychosozial beeinträchtigten Schüler*innen: Wie können Lehrkräfte diese „Lernlücke“ schließen?

Ich glaube der Kern ist, dass Lehrkräfte lernen, Gruppen besser zu verstehen. Als Lehrkraft hat man es ja nicht nur mit einzelnen jungen Menschen zu tun, sondern immer auch mit einer Klasse als Ganzes. Das ist eine ganz wichtige Erkenntnis, dass man Gruppen nicht einfach als eine Ansammlung von Individuen versteht. Eine Klasse ist mehr ist als die Summe der einzelnen Schüler*innen. Dadurch, dass es Lehrkräfte im Berufsalltag vor allem mit Gruppen zu tun haben, müssen sie darauf vorbereitet werden, zu verstehen: Okay, wie kann sich diese Gruppe entwickeln? Was für Dynamiken gibt es? Welche verschiedenen Phasen durchläuft sie im Laufe eines Schuljahres, was beschäftigt sie? Und was läuft möglicherweise latent ab, was auf den ersten Blick nicht so leicht erkennbar ist?

Dein Fortbildungsprogramm Teacher-ProGRESS unterstützt Lehrkräfte im Erwerb und Erhalt emotionaler und sozialer Kompetenzen.

Ich beschreibe das gerne als eine Art Hilfspaket. Die Kernidee dahinter ist, dass nur mental entlastete Lehrkräfte in der Lage sind guten Unterricht und gute Beziehungsarbeit zu leisten. Sehr oft wird über die emotionale und soziale Entwicklung von Schüler*innen geredet, aber um einen positiven Einfluss auf diese haben zu können, darf man ja selbst emotional nicht zu stark belastet sein. Dort müssen wir anfangen.

Teacher-ProGRESS: Feedbackinstrument und Fortbildungsangebot

Welche Rolle spielt dabei ein Schüler*innen-Feedback?

Aktuell entwickle ich im Zuge des Teacher-ProGRESS-Projektes Fragebogeninstrumente, die Lehrkräften eine Rückmeldung aus der Sicht der Schülerinnen darüber geben sollen, was sich genau in ihren Klassen, in ihrer Unterrichtsarbeit, in ihrer Beziehungsarbeit, positiv auf die Klasse und ihre emotionale und soziale Entwicklung auswirkt. Und was für latente Konflikte oder Probleme vorherrschen könnten. Die Instrumente fragen also Schülerinnen danach: Was passiert da in deiner Klasse? Wie fühlst du dich dabei? Und so weiter. Für die Entwicklung dieser Instrumente brauche ich natürlich Lehrkräfte, die mithelfen und die erste Version des Fragebogens in ihren Klassen anwenden und bereit sind mir über ihre Erfahrungen mit den Instrumenten Feedback zu geben.

Und wenn die Lehrkräfte dieses Feedback zur Stimmung in einer Klasse und den Gefühlen der Schüler*innen bekommen haben, was passiert dann?

Aus meiner Sicht muss so ein Feedback wirklich dazu da sein, um es dann irgendwo hin mitnehmen zu können, wo einem weitergeholfen werden kann. Das heißt, wir müssen das Feedbackinstrument mit einem Fortbildungsangebot verknüpfen, das explizit auf die Themen eingeht, die durch das Feedback aufgeworfen wurden. Ich habe ja schon einiges über die Wichtigkeit von Gruppen gesagt und am besten lernt man über Gruppen tatsächlich auch in Gruppen durch Selbsterfahrung. Der Ansatz, den ich vertrete, ist die gruppenanalytische Pädagogik. Diese setzt ihren Fokus auf die Gruppe, auf die Entwicklung der Gruppe, darauf Gruppen besser zu verstehen und vor allem sich selbst in der Gruppe besser zu verstehen. Lehrkräfte sind in Klassen immer in einer Leitungsrolle, sie haben eine besondere Stellung. Damit einher geht ein besonders starker Einfluss auf die Entwicklung der Gruppe und eine besondere Verantwortung.

Sündenbock-Dynamik erkennen und Mobbing vorbeugen

Kann man über das bessere Verständnis der Klasse auch die „schwierigen“ Schüler*innen besser greifen?

Natürlich muss man immer beides machen, auch die 1:1-Beziehung zu Schülerinnen ist wichtig. Aber in einer Gruppe werden von der Gruppe als Ganzes verschiedene Rollen kreiert, in die unterschiedliche Personen dann aufgrund bestimmter individueller Eigenschaften besonders leicht reinschlüpfen oder gedrängt werden. Was wir z.B. sehr oft im Schulkontext erleben ist, dass es zu dem sogenannten „Sündenbock-Phänomen“ kommt. Dass bestimmte Schülerinnen, insbesondere solche mit Verhaltensschwierigkeiten, von der ganzen Gruppe bzw. Klasse in eine Sündenbockrolle hineingedrängt werden. Und das passiert mehr oder weniger unbewusst. Das merken die Personen gar nicht, die daran beteiligt sind, sondern das entwickelt sich fast schon automatisch. Und wenn man als Lehrkraft lernt, diese Sündenbock-Dynamik besser zu erkennen, eine Sensibilität dafür bekommt, dann kann man auf so eine Entwicklung, die für das gesamte Schulklima toxisch ist, die sehr oft zu Mobbing führt, viel besser reagieren. Das heißt in einer Weise, die die Klassengemeinschaft positiv beeinflusst, indem sie die Sündenböcke aus ihren Rollen befreit. Und eine positive Klassengemeinschaft hat wiederum einen stark positiven Einfluss auf die emotionale und soziale Entwicklung aller Schüler*innen, nicht nur von denen mit Verhaltensschwierigkeiten.

Das klingt nach einer Fortbildung, für die Lehrkräfte einen langen Atem brauchen.

Eine gruppenanalytische Fortbildung ist natürlich etwas, das seine Zeit braucht. Aber wenn man das einmal begonnen hat, merkt man schnell, dass man plötzlich auch viel Unterstützung erhält und nicht mehr alleine ist. Wir alle kämpfen mit ähnlichen Problemen in unserem Berufsalltag, viel mehr als die meisten Leute das glauben, und das ist auch unter Lehrkräften nicht anders. Diese unterstützende Kooperation führt auch zu einer deutlichen Entlastung und mehr Solidarität im Kollegium. Ich biete ja auch Schulcoachings an. Hier geht es hauptsächlich darum, im Lehrkräftekollegium eine gruppenanalytische Arbeitsweise und Haltung zu etablieren, mit der man es besser schafft, mit den vielen Problemen, die im Schulalltag entstehen, zu Kolleginnen und Kollegen gehen zu können und diese Probleme gemeinsam zu lösen. Das Ziel ist ein besseres Arbeitsklima in der gesamten Schule. Das ist möglich!

Mehr erfahren:

Edkimo und Teacher-PROGRESS kooperieren bei der Entwicklung von Schülerfeedback-Instrumenten. Mehr Infos zu Teacher-ProGRESS oder kontaktieren Sie Dr. Lars Dietrich direkt per E-Mail. Wenn Sie die Feedback-App Edkimo kostenlos und unverbindlich ausprobieren möchten, registrieren Sie sich einfach hier.

Videokonferenzen mit Jitsi

Lernen und Unterricht klappen besser, wenn wir untereinander im Austausch bleiben. Bei Edkimo haben wir eine zeitlang unseren eigenen Videokonferenz-Server mit der Open Source Software Meet Jitsi betrieben und diesen Schulen, Lehrenden und Lernenden kostenlos zur Mitnutzung zur Verfügung gestellt. Mittlerweile nutzen wir im Edkimo-Team wieder die Hauptinstanz von Meet Jitsi. Warum wir uns für Jitsi entschieden haben, erfahrt Ihr hier.


Was ist Jitsi

Jitsi ist eine Open-Source-Lösung für Videokonferenzen, die kostenlos genutzt werden kann, ohne dass ein Benutzerkonto erforderlich ist. Für Mobilgeräte gibt es eine Android App (F-Droid, Google Play) und eine iOS App (App Store). Auf allen Geräten wird die installationslose Nutzung im Browser unterstützt.

Jitsi-Edkimo Open-Source-Videokonferenz, datensparsam, kostenlos

Warum wir Jitsi Meet benutzen

Bei unserer Arbeit und privat verbringen wir unzählige Stunden in Videokonferenzen. Wir haben einiges ausprobiert und vieles miterlebt: Skype, Microsoft Teams, Google Hangouts, Webex, Zoom, Goto Meeting…

Für uns mit Abstand die beste Lösung: Jitsi Meet, ein unkompliziertes, schnelles und sicheres Open-Source-Tool, das ohne Anmeldung einfach im Browser funktioniert. 2020 und 2021 haben wir unseren eigenen Jitsi-Server betrieben. Schulen, Lehrkräfte und Lernende konnten diesen einfach mitzubenutzen. Seit Januar 2022 nutzen wir im Edkimo-Team wieder die Hauptinstanz von Meet Jitsi.

Für uns ist Meet Jitsi eine einfache, hochwertige und datensparsame Alternative zu anderen Diensten. Suchen Sie an Ihrer Schule, Klasse oder Bildungseinrichtung nach einem datenschutzkonformen Tool für den Fernunterricht oder Hybridunterricht? Ihre Kommune bzw. Ihr Bundesland stellt keine Plattform bereit oder es ist zu kompliziert? Bevor Sie wieder zoomen oder über Whatsapp chatten, einfach einmal Jitsi öffnen, Konferenzraum erstellen und loslegen.

Jitsi-Meetings sind datensparsam und privat

  • Bei Jitsi müssen Teilnehmer*innen kein Konto erstellen.
  • Alle Jitsi-Konferenzräume sind kurzlebig und zeitlich begrenzt und existieren nur solange das Meeting tatsächlich stattfindet. Ein Meetingraum wird erstellt, wenn der erste Teilnehmer eintritt und er wird gelöscht, wenn der letzte Teilnehmer den Raum verlässt.
  • Wenn jemand versucht, denselben Meeting-Raum erneut zu nutzen, wird ein neuer virtueller Raum mit demselben Namen geschaffen. Es besteht keinerlei Verbindung zu einer früheren Besprechung.
  • Alle Informationen, die Sie eingeben, wie z.B. Ihren Namen oder Ihre E-Mail-Adresse, sind rein optional und werden nur während des Meetings an andere Besprechungsteilnehmer*innen weitergegeben.
  • Auch andere Daten, wie z. B. die Chat-Nachrichten, werden nur für die Dauer der Besprechung gespeichert und am Ende der Besprechung vernichtet.

Jitsi-Meetings sind sicher und verschlüsselt

Chat-Nachrichten sind bei Jitsi Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Audio- und Videocalls mit mehreren Personen sind hingegen nur transportverschlüsselt. Das bedeutet, die Daten sind auf dem Weg zwischen Server und Endgerät verschlüsselt, werden auf dem Server selbst aber kurzzeitig entschlüsselt.
Die Sicherheit bei der Nutzung von Jitsi ist also eine Frage des Vertrauens in die Betreiberfirma des Jitsi-Servers. Sie müssen dem Serverbetreiber 8×8 Inc vertrauen, dass dieser den Server sicher eingerichtet hat und aktuell hält, damit Angreifer*innen von außen keinen Zugriff erlangen. Dabei verringert sich aufgrund der Datensparsamkeit das Risiko erheblich.

Jitsi ist einfach, schnell und ohne Schnickschnack

  • Konferenzräume können ohne Registrierung betreten werden
  • Jitsi funktioniert einfach im Browser
  • mobil auch mit der Jitsi-App
  • es gibt keine Zeitbegrenzung
  • die erste Person ist Moderator*in
  • man kann sich per “Handzeichen” melden
  • jede Person kann den Bildschirm teilen
  • es gibt eine Chatfunktion mit Nickname
  • Passwortschutz ist möglich (für die Dauer einer Konferenz)

Kostenfreie Nutzung

Die Nutzung von meet.jit.si ist kostenlos. 

Jitsi-Datenschutzerklärung

Hier gelangen Sie zur vollständigen Jitsi-Datenschutzerklärung der Betreiberfirma 8×8, Inc.

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Schülerfeedback zum Corona-Schuljahr

Das Schuljahr 2020/21 war für viele Beteiligte in erster Linie anstrengend. Dennoch wurde auch vieles gelernt, da gewohnte Strukturen aufgebrochen und neue Wege beschritten werden mussten. Wir haben die Schülerinnen und Schüler anonym zu Ihren Erfahrungen befragt und veröffentlichen hier ausgewählte Ergebnisse aus der Edkimo-Befragung zum Corona-Schuljahr.

Als Grundlage für den Fragebogen diente die Fünf-Finger-Feedback-Methode:

  1. Das war für mich super… (Daumen)
  2. Das könnte man besser machen… (Zeigefinger)
  3. Das hat mir nicht gefallen… (Mittelfinger)
  4. Das nehme ich mit… (Ringfinger)
  5. Das kam zu kurz… (kleiner Finger)

Die Gesamtergebnisse der anonymen Befragung haben wir hier veröffentlicht.

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Growth Mindset: Wie wir erfolgreich lernen.

“Unser Selbstbild entscheidet über unseren Erfolg.” So Carol Dweck in ihrem Buch Mindset: The New Psychology of Success. Darin definiert und erklärt die Autorin und Psychologin der Stanford University das Konzept Growth Mindset. Ihre Kernthese: Letztlich entscheidet nicht nur unser Talent über Erfolg oder Misserfolg in Schule, Beruf und im Leben, sondern auch und vor allem unser Selbstbild.

Growth Mindset vs Fixed Mindsetz (Carol Dweck) - Illustration by Jessica Ottewell

Bild von Wikimedia Commons, Jessica Ottewell

Was macht unser Selbstbild aus?

Unser Selbstbild entsteht aus der Summe unserer Erfahrungen und der Art und Weise, wie wir über uns denken.

  • Wenn wir eine positive Einstellung uns selbst gegenüber haben, können wir wachsen, neue Fähigkeiten erlernen und unser Wissen erweitern.
  • Wenn wir jedoch davon überzeugt sind, dass unser Können angeboren und unveränderlich ist, verhindern wir durch diese Denkweise unsere potenziellen Wachstumsprozesse.

Das Growth-Mindset und das Fixed-Mindset Modell sind solche archetypischen Denkweisen, die auf die Studie von Carol Dweck zurückgehen. Sie veranschaulichen im Wesentlichen, wie sich dynamische bzw. starre Denkstrukturen manifestieren und so zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung in Bezug auf unser Wachstum werden.

Growth-Mindset vs. Fixed-Mindset

Growth-Mindset – zu Deutsch wachstumsorientiertes Denken – meint einen dynamischen Ansatz in Bezug auf Talent und Erfolg. Dieser steht im Gegensatz zu der starren Annahme, dass Fähigkeiten gegeben und unveränderlich sind.

Wenn man von einem Fixed-Mindset ausgeht, glaubt man, dass Intelligenz, Talent und der daraus resultierende Erfolg vorgegeben sind: „Entweder man hat es oder man hat es nicht“.  Im Umkehrschluss bedeutet diese Denkweise auch, dass fehlendes Talent zum Ausbleiben von Wachstum im Sinne von Weiterentwicklung führt. Schließlich wird dadurch eine weniger erfolgreiche Zukunft quasi zum unvermeindlichen Schicksal.

Verfolgt man eine wachstumsorientierte Perspektive in Bezug auf Fähigkeiten und Erfolg, so gibt es weder ein punktuelles noch ein generelles Scheitern oder Versagen. Es völlig normal vor, dass vor allem zu Beginn von etwas Neuem erste Versuche misslingen. Das Nicht-Gelingen wird jedoch als natürlicher und wesentlicher Teil des Wachstums- und Lernprozesses betrachtet. Ein punktuelles Nicht-Gelingen fördert sogar die Fähigkeit, lösungsorientiert zu denken. Und es steigert zusätzlich die Frustrationstoleranz sowie letztlich die Zufriedenheit mit dem eigenen Selbst.

Wie definiert sich Erfolg?

Mit dem Ansatz des Growth-Mindset ist es möglich, negative Erfahrungen und Leistungen in etwas Positives umzukehren. Damit ist die Erkenntnis gemeint, dass negatives Wissen, d.h. zu wissen was falsch ist, auch eine Form von Wissen ist. Die Wertschätzung von gemachten Erfahrungen, gerade von vermeintlich negativen – etwas ist nicht gelungen, etwas ruft ein schlechtes Gefühl hervor – kann die Selbstwahrnehmung und damit das Selbstbild beeinflussen. Im Falle eines Nicht-Gelingens geht es um die innere Motivation, einen erneuten Versuch zu wagen und die Angst vor dem Scheitern zu überwinden. Am Ende erfährt man ein Gefühl der inneren Stärke und Freude am Wachstum selbst, anstatt nur durch die Zielerreichung Befriedigung zu erlangen.

Was in der Säuglings- und Kleinkindforschung die Grundlage allen Lernens bildet, nämlich dass wir beim Hinfallen und Wiederaufstehen das Laufen erlernen, scheint im leistungs- und erfolgsorientierten Bildungssystem weniger Berücksichtigung zu finden. In der Schule werden Fehler immer noch mit schlechten Noten bestraft. Die führt letztlich dazu, dass Fehlermachen im Lernprozess negativ belegt ist und eben nicht als Teil des Wachstumsprozesses empfunden wird. In unserer Gesellschaft wird Erfolg eben noch gemessen und Leistung oft erst dann honoriert, wenn das vermeintliche Ziel erreicht ist.

Growth-Mindset und Formative Assessment

Das Modell Growth-Mindset lehrt uns, das starre Verständnis von Erfolg in Bildung und Beruf zu relativieren. Der Rückschluss, den wir aus unseren Fehlern ziehen, offenbart, wie wir über uns selbst denken. Machen wir diese Feststellung bei anderen Menschen, kann es ein entscheidender Anknüpfungspunkt sein, um ihr Potenzial freizusetzen.

Mitunter ist es die schiere Fülle aus Fakten und Prüfungen, die das eigentliche Lernen hemmt. Wir resignieren beim Lernen auch, weil unser negatives Selbstbild uns blockiert. Anstatt Kindern und Jugendlichen in der Schule immer mehr abzuverlangen, kann eine genaue Betrachtung ihres zugrunde liegenden Selbstbildes wesentlich vielversprechender sein.

Formative Assessment (vgl. Björn Nölte) ist eine Form der Leistungsbewertung, die sich durch ihren prozesshaften Charakter vom traditionellen Bewertungsmodell unterscheidet. Lernende erhalten während der Bearbeitung Feedback und nicht erst nach Abschluss einer Aufgabe. So werden die Leistungen bei diesem Ansatz weder an einem objektiven Bewertungsschema noch an der Leistung anderer gemessen. Auf diese Weise ist die Reflexion der Bewertung und die Selbstwahrnehmung im Lernprozess auf das eigene Wachstum ausgerichtet.

Die strukturelle Einbindung von Feedback ist zur Realisierung dieser qualitativen Lernmethode essenziell notwendig. Das erhaltene Feedback wird gebraucht, um inhaltliche Richtungskorrekturen vorzunehmen und das methodische Vorgehen zu erlernen. Als feedbackgebende Person lernt man, eine sachliche und analytische Perspektive einzunehmen. Gleichzeitig werden auch die Lernprozesse anderer Lernender erfahrbar. Und das Lernen wird nicht mehr verkürzt durch den Vergleich mit einer Notenskala betrachtet.

Fazit: Growth-Mindset, Fehlertoleranz und zeitgemäße Prüfungskultur

Individuelle Lernwege können die Akzeptanz und die Motivation von Lernenden steigern. Das so entstehende Selbstbild basiert dann auf der eigenen Wahrnehmung des Lernprozesses. Der alleinige Vergleich zu einem objektiven Maßstab oder gar zu den Leistungen anderer führt zu einer verkürzten Sicht auf das Lernen und schadet dem eigenen Selbstbild.

Damit wir alle aus unseren Fehlern lernen können, braucht es jedoch eine positive Fehlerkultur und Fehlertoleranz. Wenn wir jedoch bei der Vorstellung bleiben, dass Gelerntes in Kategorien von 1 bis 6 zu verordnen ist, scheitern wir schon bei den Grundvoraussetzungen. Lernen ist nicht nur Ergebnis, sondern in erster Linie ein Prozess. Um erfolgreich zu lernen, braucht man wechselseitiges Vertrauen, gute Beziehungen und eben ein Growth-Mindset.

Diese Transformation ist dabei nicht nur Aufgabe von klassischen Lernorten, sondern eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Hier sind auch Vorbilder gefragt, die den Mut haben, eigene Fehler anzuerkennen und als Lerngelegenheit zu nutzen. Viele Fragen zur konkreten Ausgestaltung sind noch zu klären. So beispielsweise die Frage nach einer angemessenen Prüfungskultur im Kontext von Growth-Mindset und Formative Assessment. Aktuell entwickelt das neu gegründete Institut für zeitgemäße Prüfungskultur e.V. bereits grundlegende Ideen im Dialog mit Pädagog*innen, Schüler*innen und allen Interessierten. Mehr Infos finden Sie online unter pruefungskultur.de und auf Twitter @pruefungskultur.

Mut zur Lernlücke

Die “Lernlücken”-Debatte nach dem Corona-Schuljahr

Nicht nur das BMBF, die KMK oder der Deutsche Lehrerverband, auch mehrere Online-Nachhilfe-Unternehmen stimmen seit mehreren Monaten in die “Lernlücken”-Debatte ein. Das ist bei letztgenannten aus unternehmerischer Sicht nicht verwunderlich, bei den Bildungsverantwortlichen irritiert der Fokus auf die “Nachhilfemilliarde”. Wir bei Edkimo plädieren gerade in der Krise für Mut zur Lernlücke und dafür die Lernenden und das Erlebte in den Mittelpunkt zu stellen, um daraus echte und relevante Lernanlässe zu schaffen. Denn auch im anstrengenden Corona-Schuljahr wurde vieles gelernt!

Die Zahnfee und die kleine Maus

Lernlücke und Corona. Kind mit Zahnlücke als Symbolbild.
Bild von bigbear auf Pixabay.

Fällt Kindern ein Milchzahn aus, hinterlässt das zwangsläufig eine unangenehme Zahnlücke. Oft bringt eine magische Fee (oder in Frankreich die kleine Maus) ein Geschenk für die Kinder, um den Verlust erträglicher zu machen. Niemals würde es der Fee einfallen, die entstandene Lücke wieder aufzufüllen, sie mit einem Ersatzmilchzahn zu schließen. Mehr vom Gleichen bringt da wenig. Viel wichtiger ist es zuzuhören, anzuerkennen, Emotionen zuzulassen. Kommt Zeit – kommt Zahn, sozusagen: ein neuer, stärkerer, besser verwurzelter. Und zwar ganz von alleine. Die Lücke gilt es eine Zeit lang auszuhalten. Mit oder ohne Zahnfee sind die meisten Kinder sogar stolz darauf. Denn in der Zahnkrise haben sie gelernt, Ängste zu überwinden und Widrigkeiten zu ertragen. Sie sind gewachsen und stärker geworden. Das würdigt die Zahnfee, kein Kind braucht sie als Lückenfüller!

Stofflücken nicht Lernlücken

In der Corona-Krise haben sich die vermeintlichen “Lernlücken” in den Diskurs um Schule und Bildung eingeschlichen. “Lücken” die es zu schließen gelte. Kürzlich beschrieb Stephan Bayer vom Online-Nachhilfe-Unternehmen Sofatutor seine Vision im Zeit-Interview: Es gehe darum, “das Schulsystem in seine kleinstmöglichen Atome zu zersprengen und aus jedem Atom ein Lernvideo zu machen”. Das Wort “zersprengen” ist in diesem Zusammenhang durchaus als deutsche Übertragung des Startup-Lieblingsbegriffs “Disruption” zu verstehen, den Adrian Daub (What tech calls thinking) und Justin Reich (Failure to disrupt) ausführlich kritisiert haben.

Mit der Atom-Metapher sind wir sofort beim Stoff. “Lernlücken” beschreiben in dieser Sichtweise im Grunde “Stofflücken”, Dinge die im letzten Jahr nicht explizit unterrichtet wurden. Lernlücken sind es jedoch nicht! Denn Lernen fand in dieser Zeit trotzdem statt! Das gilt es zunächst einmal ausführlich und explizit zu würdigen und anzuerkennen, ehe wir uns weiter über vermeintliche Lücken unterhalten. Dazu hilft es auch, in Anschluss an Justin Reich, das Lernen und die Digitalisierung unter dem Blickwinkel der Feuer-vs-Eimer-Metapher einzuordnen. Im Original-Zitat von Plutarch liest es sich so: „Menschen bilden bedeutet nicht, ein Gefäß zu füllen, sondern ein Feuer zu entfachen.“  Im Lückendiskurs werden nun eifrig Gefäße und Eimer gefüllt, auf die Gefahr hin, auch die kleinen Funken und das letzte Feuer zu löschen.

Unterrichten wir den Stoff oder die Lernenden

Die jahrzehntelange Gliederung des deutschen Schulsystems hat historisch eine bestimmte Haltung von Lehrkräften möglich gemacht oder sogar befördert. Manche Personen erinnern sich vielleicht noch an die eine oder andere Gymnasiallehrkraft, welche der Meinung war: “Ich unterrichte den Stoff, nicht die Lernenden”. Wer nicht mitkommt, geht eben an eine andere Schule! Zwanzig Jahre ist es nun her, dass der PISA-Schock das deutsche Bildungssystem von der Input-Steuerung (“der Lehrplan”) auf Outcome-Steuerung (“die Kompetenzen!”) umgestellt hat. Dennoch offenbart die “Lernlücken”-Debatte, dass wir immer noch reflexartig auf den Stoff und den Lehrplan fokussieren, wodurch wir zwangsläufig Lücken sehen, die es zu schließen gilt (oder Eimer zu befüllen).

In einem ungegliederten Schulsystem oder an einer Gesamtschule mit heterogenen Lernvoraussetzungen ist diese Haltung zwangsläufig zum Scheitern verurteilt. Hier gilt das Motto: “Ich unterrichte die Lernenden, nicht nur Stoff”, die Menschen stehen im Mittelpunkt. Wer so denkt, sieht natürlich auch Lücken, erkennt darüber hinaus aber auch unglaublich viele Lerngelegenheiten und Lernansätze. Der Fokus liegt auf dem Lernen – nicht auf der Lücke!

Was denken die Lernenden

Ein solcher Perspektivwechsel von der Lücke zum Lernen gelingt am einfachsten, wenn Lehrkräfte ganz einfach die Lernenden befragen, zuhören, neugierig sind und die Anstrengungsbereitschaft, die Motivation und das Durchhaltevermögen anerkennen: Was habt ihr gelernt im vergangenen Jahr? Was war gut? Was kam zu kurz? Was nehmt ihr mit? Das wird dabei helfen, die Funken zu entdecken, um ein großes Feuer zu entfachen und das Lernen gemeinsam zu gestalten. Wir haben dazu eine anonyme Schüler*innen-Befragung durchgeführt, die man leicht auch mit der eigenen Klasse als Diskussionsanlass nutzen kann.

Anstrengendes Schuljahr verdient kein Nachsitzen sondern erholsame Ferien

Wenn jetzt einige Bundesländer (z.B. Hessen) Online-Nachhilfe einkaufen, um Lernlücken zu schließen, dürfte sich das für viele der Lernenden wie Nachsitzen anfühlen. Ein dermaßen anstrengendes Corona-Schuljahr verdient unserer Meinung nach Anerkennung und erholsame Sommerferien, keine Strafmaßnahmen.

Fazit: die Grundfunktionen von Schule

“Die Kinder!”, “Das Leben!”, “Der Stoff!” und “Die Abschlüsse!” – so lauten die vier Grundfunktionen von Schule, die Jöran Muuß-Merholz in seinem lehrreichen Beitrag “Schule muss scheitern, wenn sie den Normalzustand simuliert” überspitzt formuliert und zusammengetragen hat. Denn Schule erfüllt in allen hochentwickelten Bildungssystemen dieser Welt vier gesellschaftliche Funktionen, die es abzuwägen und in der Gesamtschau zu beachten gilt:

  1. Betreuung und Wohlbefinden (“Die Kinder!”) Damit es Kindern gut geht und Erwachsene arbeiten gehen können.
  2. Sozialisation und soziales Leben (“Das Leben!”) Damit Kinder auf das Leben und das Zusammenleben in der Gesellschaft vorbereitet werden.
  3. Bildungsziele und Curriculum (“Der Stoff!”) Damit Kinder Kompetenzen, Wissen, Fertigkeiten und Einstellungen erlernen.
  4. Bewertung und Selektion (“Die Abschlüsse!) Damit Kinder Prüfungen ablegen und Abschlüsse erlangen als Eintrittskarte für weiterführende Schulen oder Karrierewege.

Alle vier Ziele sind durch die Schulschließungen im zurückliegenden Corona-Schuljahr deutlich zu kurz gekommen. Und genau dieser Sachverhalt wurde von Lehrenden, Lernenden und Eltern mehrheitlich und einvernehmlich als anstrengende Stresssituation empfunden. Die fatale Verkürzung der Krise auf “den Stoff!”, damit letztlich “die Abschlüsse!” sichergestellt werden, stellt eine defizitäre Sicht auf das Lernen und eine unnötige Verkürzung dar. Lasst uns gerade jetzt in dieser Krisensituation in der Corona-Pandemie “die Kinder!” und “das Leben!” in den Mittelpunkt stellen und alles andere darauf aufbauen.

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Warum wir Edkimo von Grund auf neu gestaltet haben

Seit Mai 2021 sieht Edkimo anders aus. Unsere digitale Plattform hat sich herausgeputzt: eine neue Website, eine neu gestaltete und modern strukturierte App und – nicht auf den ersten Blick sichtbar – eine vollständig neu geschriebene Software im Hintergrund. Heute berichten wir aus dem Gründerteam, warum wir Edkimo von Grund auf neu gestaltet haben und sagen Dankeschön an alle, die uns unterstützt haben!

Hurra! Die neue Edkimo-App ist da

“Hat Ihr Lehrer Sie in der Schule nach Ihrer Meinung gefragt?” Diese Frage haben wir bei der ersten öffentlichen Präsentation unserer Feedback-Plattform Edkimo auf der Cebit 2015 in den Mittelpunkt gestellt. Und sie begleitet uns bis heute. Lernende – und insbesondere Schüler*innen – als Expertinnen und Experten für den eigenen Lernprozess ernstzunehmen, war uns Gründer*innen von Beginn an ein Herzensanliegen.

Sebastian, Ideengeber von Edkimo und selbst Bildungsblogger und Lehrer, hatte sich schon oft gefragt, wie der mühevolle Weg des Feedbacksprozesses per Papierfragebogen digital abgekürzt werden konnte. Mit Kai, Sozialwissenschaftler und Softwareentwickler, hatte er in verschiedenen Webprojekten schon zusammengearbeitet. Und mit Jessica als Journalistin und Medienpädagogin mit viel Erfahrung im Bildungssektor war das Team komplett. Gemeinsam bewarben wir uns 2014 bei der Leuphana Universität beim Gründungswettbewerb Leuphana Business Accelerator und bekamen den Zuschlag. Knapp ein Jahr später wurde die Edkimo GmbH als Spin Off der Leuphana Universität ausgegründet.

In den ersten Monaten nutzten nur wenige Lehrkräfte und Schüler*innen unser Tool aber wir glaubten fest an die Idee und entwickelten sie stetig weiter. Mittlerweile gibt es Landeskooperationen in Hamburg und Nordrhein-Westfalen und inzwischen wird Edkimo täglich von mehr als 10.000 Personen genutzt. Die Zeit war reif für ein grundlegendes Update.

Wir ermöglichen vielbeschäftigten Lehrkräften und Bildungsverantwortlichen im Schulalltag mühelos und zeitsparend Feedback, Partizipation und Evaluation in den Lernprozess zu integrieren. Immer häufiger nutzen uns auch Volkshochschulen, NGOs und Unternehmen. Bislang wurde das Tool nur aus dem Gründerteam heraus gestaltet und weiterentwickelt. Der Wunsch, das zu ändern bestand schon lange. Auch weil immer deutlicher wurde, wie herausfordernd es sowohl technisch und als auch gestalterisch ist, ein intuitiv zu bedienendes Feedback-, Statistik- und Evaluations-Tool zu entwickeln, das so aktiv wie Edkimo genutzt wird.

Unser Nutzer*innen, und insbesondere Lehrkräfte, sind keine homogene Zielgruppe, wie unsere Gründerin Jessica erst kürzlich auf der Bitkom Bildungskonferenz 2021 deutlich gemacht hat. Nimmt man etwa die Frage der Auswertungen, so gibt es viele Personen, die ansonsten keinen Kontakt mit Statistik und Diagrammen haben und die Ergebnisse einer Befragung trotzdem „auf den ersten Blick“ verstehen wollen. Andere wünschen sich eine detaillierte Darstellung oder sind als Team-Admin einer Schule dazu angehalten verschiedene Befragungen miteinander zu vergleichen und ggf. Rückschlüsse daraus zu ziehen und diese für die Schulleitung und das Kollegium aufzubereiten.

Im Gegensatz zu anderen Feedback- und Evaluationsinstrumenten war es für Edkimo von Beginn an das Ziel, statistische Erhebungen und Auswertungen niedrigschwellig, datensparsam, komplett anonym und selbsterklärend zu ermöglichen. Dieses Alleinstellungsmerkmal sollte erhalten bleiben.

Um Edkimo qualitativ weiterzuentwickeln wurde über den Designtransferbonus beim Land Berlin externe Unterstützung beantragt und im September 2020 bewilligt. Der Berliner UX/UI-Designer Don Ludwig unterstützte bis Jahresende das Kernteam mit seinem Know-how. Bei der Umsetzung neuer Design-Ideen haben Don und wir von Anfang an unsere Nutzer*innen mit einbezogen und gemeinsam das Erscheinungsbild der gesamten Plattform und App grundlegend neu konzipiert. (Hier geht’s zum ausführlichen Projektbericht Design Transfer Bonus.) Die Grafikerinnen Elina Arndt und Kristin Gerber haben die Idee des “Edkimo-Universums” entwickelt und immer weiter ausgestaltet, so dass wir in der neuen App und auf unseren Social Media Kanälen nun eine einheitliche Bildsprache gefunden haben. Webdesigner Scott MacDonald setzte unsere neue Homepage um.

Bei der technischen Weiterentwicklung der Edkimo-App in der nächsten Wachstumsphase berät und unterstützt uns seit Anfang des Jahres Torsten Curdt als erfahrener Entwickler. Er hilft uns, Prozesse zu automatisieren, die Software-Architektur zu prüfen, zu skalieren und zukunftssicher zu machen. Unsere externe Datenschutzbeauftragte Katrin Similien berät Edkimo bei der DSGVO-konformen Weiterentwicklung der Software, schult das Team und überprüft regelmäßig unsere Maßnahmen zum Datenschutz. Und nicht zu vergessen unsere erste Startup-Mitarbeiterin Charlotta Wowtschuk: seit zwei Jahren der Dreh- und Angelpunkt für engagierten Vertrieb und vertrauensvollen Kundenservice. Vielen Dank an euch alle!

Gemeinsam freuen wir uns auf die nächste Etappe auf der Reise durchs Edkimo-Universum. Auch wenn sich manches in der ersten Zeit nach dem großen Update noch zurechtruckelt, sind wir doch recht stolz, es gemeinsam so weit geschafft zu haben. Ohne Euch Nutzerinnen und Nutzer wäre das nicht möglich gewesen! Über 60.000 Lehrpersonen an über 8.000 Schulen und Bildungseinrichtungen nutzen Edkimo. Über 2 Millionen Lernende haben schon mal über unsere App Rückmeldung gegeben. Über 10.000 Personen besuchen unsere Plattform jeden Tag, um das Lernen gemeinsam zu gestalten.

Viel Spaß beim Feedback mit Edkimo wünscht euch das Gründerteam!

Sebastian, Jessica und Kai

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Feuer entfachen oder Gefäße füllen: wie lernen wir am besten?

Beim Austausch mit verschiedenen Akteur*innen aus dem Bildungs-, Startup- und Forschungsbereich werden oft sehr unterschiedliche Grundhaltungen in Bezug auf das Lernen deutlich. Zum Beispiel erlebten wir dies bei der Tagung Quo vadis Forschung zu Schülerfeedback oder beim EdtechXEurope Startup-Pitch. Grundsätzlich lassen sich diese Unterschiede auf zwei Grundideen zuspitzen: „Das Entzünden eines Feuers oder das Füllen eines Eimers.“ Dies macht auch Justin Reich in seinem neuen Buch „Failure to disrupt“ deutlich.

Christopher CC BY 2.0 via Wikimedia Commons

Gefäße füllen oder Feuer entfachen

„Menschen bilden bedeutet nicht, ein Gefäß zu füllen, sondern ein Feuer zu entfachen.“ Diese Metapher ist über zweitausend Jahre alt und geht auf die antiken Denker Heraklit, Herodot, Aristophanes oder Plutarch zurück. Plutarch schreibt darüber in seinem Essay „Über das Zuhören“. Später wurde das Bild von Rabelais und Montaigne wieder aufgegriffen. Bis heute lässt sich das Spannungsfeld in der öffentliche Bildungsdebatte und bei den verschiedenen Edtech-Ansätzen auf diese beiden Grundhaltungen reduzieren. Justin Reich verdeutlicht dies in seinem Essay „Failure to disrupt“ anhand der amerikanischen Bildungsgeschichte.

Sozialer Konstruktivismus – Das Feuer

Die Anhänger des „Feuer“-Lagers halten sich an John Dewey (1859-1952), der feststellte: „Ich glaube, dass Bildung ein Prozess des Lebens ist und nicht eine Vorbereitung auf das zukünftige Leben.“ Lernen ist also für Dewey sozial situiert, Wissen wird durch Interaktion mit anderen konstruiert – und hört als Prozess nie auf. Eine Person erwirbt ein neues Verständnis auf der Grundlage des vorherigen Verständnisses im Kontext von Lerngemeinschaften. Forschende bezeichnen diese Idee als sozialen Konstruktivismus.

Instruktionismus – Der Eimer

Geht man jedoch von der Idee aus, dass Lernen darin besteht, einen bestehenden „Eimer“ mit Inhalt zu füllen, muss man zunächst messen, ob dieser zu einem bestimmten Zeitpunkt noch halbleer ist oder sich bereits zu füllen beginnt. Edward L. Thorndike (1874-1949) war der Überzeugung, dass Lernen genau beobachtet und gemessen werden kann. Thorndike war ein früher Entwickler und Befürworter von standardisierten Tests, Lehrbüchern und Intelligenztests. Man könnte diese standardisierte Herangehensweise an das Lehren und Lernen als Instruktionismus bezeichnen.

Grundhaltung wird offensichtlich

Die öffentliche Schule sowie neue Lerntechnologien, die im 20. und 21. Jahrhundert aufkamen, orientieren sich jeweils an einer dieser beiden Ideen – entweder sie entfachen im Sinne von Plutarch/Dewey das Feuer für das Lernen an sich, oder, – und das ist weit öfter der Fall -, sie befüllen einen imaginären Eimer mit Wissen und Kompetenzen und treten dabei in die Fußstapfen von Thorndike. Meist ist es eine Kompromisslösung und vielleicht ist es auch gut so. Eine Kombination aus beiden Ansätzen könnte eine Schule sein, bei der Wissen messbar angereichert wird, Gefäße gefüllt werden und gleichzeitig ein Feuer, eine Leidenschaft für ein Thema entfacht wird. Man sollte jedoch dringend darauf achten, dass die Funken oder das Feuer nicht mit dem Eimer wieder gelöscht werden.

Feedback ist nicht gleich Feedback

Nach der Lektüre von „Failure to disrupt“ lässt sich auch der Hauptunterschied von Edkimo zu anderen Feedback-Apps wie beispielsweise Feedbackschule genau in diesen beiden Ansätzen finden.

Edkimo setzt auf einen konstruktivistischen Ansatz mit erprobten und von Lehrkräften selbst erstellten Fragebögen. Wissen über guten Unterricht ist sozial situiert: in dieser Schule, in dieser Klasse, mit dieser Lehrkraft, zu dieser Zeit. Der Lernprozess wird durch eigene Fragen, Rückmeldungen und Interaktion der Beteiligten gemeinsam gestaltet.

Feedbackschule versucht Lehren, Lernen und Unterricht stärker zu vermessen. Und zwar mit validierten Bögen, die zunächst einmal die deutsche Übersetzung und Anpassung des amerkianischen Tripod-7C-Frameworks sind und damit direkt instruktionistisch motiviert („to capture essential elements of instructional practice“).

Feedback ist also nicht gleich Feedback, denn die Konsequenzen der unterschiedlichen Ansätze spiegeln sich auch in der Software-Entwicklung wider. Lehrkräfte und Schulen haben die Wahl und können für das Tool entscheiden, das am besten zu ihnen passt.

Sebastian Waack (8.1.2021)

Weiterlesen:

Wenn Sie mehr über den Edkimo-Ansatz erfahren wollen, melden Sie sich gerne bei uns unter 030-34060312 oder contact@edkimo.com.

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„Quo vadis Forschung zu Schülerrückmeldungen“ – Ergebnisse der Edkimo-Nutzerstudie vorgestellt

Am 23. und 24. September 2019 fand an der Universität Duisburg-Essen eine Bildungstagung mit dem Schwerpunktthema Schülerrückmeldung statt. Edkimo berichtete in einem Vortrag gemeinsam mit unserem Kooperationspartner QUA-LiS NRW die Ergebnisse einer Nutzerstudie sowie von den Erfahrungen bei der Implementation von digitalem Schülerfeedback im Unterricht.

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Die Organisatorinnen der Quo-vadis-Tagung in Essen (Foto: Edkimo)

Auf der Tagung in Essen trafen sich Expertinnen und Experten aus Deutschland und der Schweiz die mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen zum Thema Schülerrückmeldungen forschen und arbeiten. Wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Konzepte zur digitalen Bildung, Unterrichtsentwicklung und Lehrpersonenausbildung wurden vorgestellt.
Gemeinsam mit unserem Kooperationspartner QUA-LiS NRW widmete wir den Vortrag den Gelingensbedingungen von Unterrichtsentwicklung durch digitales Schülerfeedback. Der Fokus lag auf der Entwicklung und Nutzung von Schülerbefragungen für die Berufspraxis von Lehrkräften und den Herausforderungen beim Transfer.
Der Vortrag bezog sich konkret auf die Ergebnisse unserer im Juni 2019 durchgeführten Nutzerstudie. Dabei baten wir alle Edkimo-Nutzer/innen um eine anonyme Rückmeldung zur Nutzung der Feedback-App in Ihrer Rolle als Lehrpersonen und Schulleitungen. Die Rückmeldungen von über 500 Personen ermöglichen einen genaueren Blick auf die Verwendung einer digitalen Feedback-App im Rahmen der Schul- und Unterrichtsentwicklung. Unsere Nutzerstudie erhebt keinen Anspruch auf Repräsentativität, liefert aber erste praktische Einblicke in das Nutzungsverhalten und dessen Einfluss auf die Unterrichtsqualität.

Edkimo-Nutzerstudie: Stichprobe (N=544)

Grundlage der Nutzerstudie bilden 544 Rückmeldungen von 11.259 angeschriebenen Personen, darunter 318 Lehrpersonen und 134 Schulleitungsmitglieder. Der Rücklauf liegt mit knapp fünf Prozent im Rahmen der üblichen Teilnahmequoten bei Online-Befragungen.
Die meisten Rückmeldungen kamen aus Nordrhein-Westfalen (N=427), aber auch alle anderen Bundesländer waren vertreten, sowie 12 Rückmeldungen aus dem Ausland.
Bei der Frage nach der beruflichen Funktion gaben 63% der Teilnehmenden an, Lehrkraft an einer Schule zu sein und 25% als Mitglied der Schulleitung zu arbeiten. Mehrfachnennungen waren möglich.
Prozentual verteilen sich die Rückmeldungen wie folgt auf die Schulformen: die meisten Teilnehmenden (29%) sind an einem Gymnasium tätig, gefolgt von den berufsbildenden Schulen mit 23%, den Grundschulen mit 15% und Gesamtschulen 14%. Die anderen Schulformen waren im einstelligen Prozentbereich vertreten.


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Edkimo-Nutzung: Art, Häufigkeit, Zielgruppe

Um das Nutzungsverhalten besser einschätzen zu können, wurden die beiden Teilstichproben “Lehrkräfte” und “Schulleitung” getrennt ausgewertet. Bei beider Teilnehmergruppen zeigte sich, dass Edkimo am häufigsten verwendet wird, um eigene Fragebogen-Vorlagen zu erstellen, häufig kommen aber auch standardisierte Vorlagen zum Einsatz bzw. werden modifiziert. Rund 6,3% der Lehrkräfte und 3% der Schulleitungsmitglieder gaben an, selbst erstellte Fragebogen-Vorlagen mit anderen Nutzer*Innen auszutauschen.
Rund zwei Drittel der Teilnehmenden gaben an, Edkimo bereits einige Male im Schul- und Unterrichtskontext verwendet zu haben. Eine von fünf Lehrpersonen sowie 1 von 10 Schulleitungsmitgliedern nutzen Edkimo sogar regelmäßig.
In der Stichprobe gaben über die Hälfte der Teilnehmenden (54,3%) an, Schülerfeedback mit Edkimo in der Sekundarstufe II einzusetzen. Rund ein Drittel nutzt Edkimo in der Sekundarstufe I und 7,4% in der Grundstufe.


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Transfer von Schülerfeedback

Das größte Transferpotential weisen die Bereiche Struktur, Schülerorientierung und Methoden auf. Rund ein Viertel der Befragten gab an, auf Grundlage des Schülerfeedbacks, Veränderungen an der Struktur Ihres Unterrichts vorgenommen zu haben, ein Fünftel der Befragten verstärkten durch das Feedback der Lernenenden die Schülerorientierung in Ihrem Unterricht. Mehr als 10 Prozent veränderten Unterrichtsmethoden und -inhalte. Erwartungsgemäß zeigten sich in den offenen Rückmeldungen auch kritischen Anmerkungen, insbesondere was die technische Infrastruktur in den Schulen betrifft.


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Eigene Vorlagen: Zielgruppe, Themen und Anlässe

Schließlich zeigte die Nutzerstudie die Bereiche, Themen und Anlässe auf, für die Lehrkräfte und Schulleitungen eigene Fragebogenvorlagen selbst entwickelt und eingesetzt haben. Aufgrund der Zielgruppenanalyse zeigt sich, dass Edkimo über das reine Schülerfeedback hinaus für viele verschiedene Kommunikations- und Entwicklungsprozesse innerhalb der Schule eingesetzt wird.
Die Vielfalt der Feedback-Anlässe wurde in offenen Rückmeldungen abgefragt, anschließend geclustert und die Kategorien als Wortwolke visualisiert, d.h. je größer ein Wort dargestellt ist, desto häufiger kam es vor.


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