Lernsieg? Nein, danke!

Mitte November 2019 tauchte das Spickmich-Schreckgespenst wieder auf, diesmal verkleidet im App-Gewand unter dem Namen Lernsieg. Wie vor zehn Jahren bei „Spickmich“ rief auch „Lernsieg“ einen großes Medienecho hervor und wurde heftig diskutiert. Nach nur drei Tagen ist der Spuk vorerst vorbei und die App wieder offline.
Das Motto von Edkimo lautet: Lernen gestalten. Denn wir glauben, dass ein konstruktives, partizipatives und lernrelevantes Schüler-Lehrer-Freedback in einem geschützten Raum das Lernen und den Unterricht verbessern kann. Dazu haben wir 2014 an der Leuphana-Universität Lüneburg eine spielerisch einfache Feedback-App konzipiert, mit der Lehrkräfte ihre eigenen Fragebögen erstellen können, um von der Lerngruppe ein anonymes Feedback einzuholen. Alle Daten liegen in der Hand der Lehrperson, nur sie entscheidet, wer die Feedback-Ergebnisse sehen kann. Der eigene Datensatz kann jederzeit vollständig gelöscht werden. Die Aufbereitung der Ergebnisse erfolgt in Echtzeit und kann einen guten Einstieg in den Dialog über das Lernen und die gemeinsame Weiterentwicklung des Unterrichts bieten.
Die Lernsieg-App aus Österreich hat mit unserem Ansatz nichts gemein. Sie ist in erster Linie vergleichbar mit den Sterne-Bewertungs-Systemen und Ranglisten wie wir sie aus der Gig-Economy kennen, wo sich Taxi-Fahrer/innen, Freelancer/innen, Programmierer/innen, Reinigungskräfte, Vermieter/innen und Gäste mittlerweile alle in eine mehr oder weniger nichts-sagende Fünf-Sterne-Skala pressen lassen müssen, wohlwissend, dass bei weniger als fünf Sternen bereits die Alarmglocken läuten und entsprechende Konsequenzen drohen. Das gehört in unseren Augen grundsätzlich nicht in die Schule!
Von diesem Grundsatz abgesehen, ist auch die Umsetzung der sogenannten „anonymen“ Lernsieg-App sehr fragwürdig: was sich als kostenlose Feedback-App verkleidet, ist vor allem eine Telefonnummer-Sammelmaschine. Noch dazu handelt es sich um die Telefonnummern von der heiß begehrten Werbezielgruppe der Kinder und Jugendlichen. Dass die Handynummer als Authentifizierungsmerkmal nur bedingt taugt, zeigt sich schon daran, dass man nach dem SMS-Versand jede beliebige Schule und jede beliebige Lehrkraft bewerten kann.
Warum die Idee von Edkimo mit dem Lernsieg-Ansatz nichts zu tun hat, haben wir in der folgenden Grafik kurz gegenübergestellt.
Lernsieg-vs-Edkimo-Schueler-Lehrer-Feedback-App
Mittlerweile nutzen über 20.000 Lehrkräfte an über 4000 Schulen die Edkimo-App, um mit ihren Schülerinnen und Schülern in einem geschützten Raum über das Lernen ins Gespräch zu kommen und gemeinsam den Unterricht zu verbessern und zu gestalten.
Wir freuen uns über Rückmeldungen, Fragen und Diskussionsbeiträge zum Thema unter lernsieg@edkimo.com.
 

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Systematisches, softwaregestütztes Feedback im Unterricht

„Es geht um Schülerpartizipation, das gemeinsame Gestalten von Lernprozessen und das Signal, dass ich als Lehrperson immer auch Lernperson bin.“
Micha Busch, Lehrer für Deutsch und Englisch
Stadteilschule Am Heidberg, Hamburg

Was bedeutet Feedback für dich?

Schülerfeedback ist für mich eine einfache Möglichkeit, mit meinen Schülern ins Gespräch zu kommen – über die gemeinsam verbrachte Lebenszeit im Unterricht und wie diese Zeit möglichst für alle sinnvoll genutzt werden kann. Also die Frage danach, wie wir gemeinsam am besten lernen können. Es geht um mehr als nur um eine Effizienzsteigerung. Feedback beinhaltet den respektvollen Austausch, es geht um Schülerpartizipation, das gemeinsame Gestalten von Lernprozessen und das Signal, dass ich als Lehrperson immer auch Lernperson bin. Um meinen Unterricht zu verbessern, reflektiere ich deshalb auch stets mein eigenes Unterrichtshandeln, suche das Gespräch mit Kollegen, besuche regelmäßig Fortbildungen sowie Konferenzen und verfolge inspirierende Debatten in der Fachliteratur sowie in sozialen Netzwerken.

Welche Schülerrückmeldung hat dich als Lehrer besonders überrascht?

Es sind oft die kritischen Rückmeldungen, die hängenbleiben. Zum Beispiel wenn Schüler zurückmelden, dass das, was im Unterricht passiert, sie nicht erreicht oder nicht interessiert. Diese Rückmeldungen tun natürlich im ersten Moment auch weh. Aber sie sind ja sehr wichtig und wenn man dann darüber spricht und die Kritikpunkte ernst nimmt, dann kann man gemeinsam überlegen, wie der Unterricht aussehen müsste, damit auch diese Schüler etwas davon haben.

Warum hat sich eure Schule für Edkimo entschieden?

Ich habe als Testnutzer gute Erfahrungen mit Edkimo gemacht und habe die App dann meinem Kollegium im Rahmen eines Pädagogischen Jahrestages vorgestellt. Nach einer Testphase haben wir als Schule uns dann entschieden, dieses Tool flächendeckend zu nutzen und es prozessbegleitend einzusetzen.

Welche Herausforderungen gab es in der Einführung von Edkimo?

Ich glaube, dass die Kollegen, die sich immer schon Feedback eingeholt haben, kaum Probleme hatten, sich auf dieses Tool umzustellen. Für sie bedeutete es in erster Linie eine Erleichterung. Anders sieht es bei Lehrpersonen aus, die Feedback als Instrument für ihre Unterrichtsentwicklung erst entdecken. Hier geht es vornehmlich darum zu schauen, an welchen Stellen im Lernprozess systematisches, softwaregestütztes Feedback sinnvoll integriert werden kann und wie mit diesem Feedback dann umgegangen wird.

Ihr nutzt Edkimo auch für eure schulinternen Fortbildungen, könntest du kurz das Szenario beschreiben?

Wir haben Edkimo z.B. genutzt, um unseren Pädagogischen Jahrestag „Lernen in der digitalen Welt“ in Form eines Partner-Interviews mit Live-Feedback auszuwerten und wertvolle Hinweise für die weiteren Entwicklungsvorhaben zu bekommen. Wir nutzen das Tool aber auch für die Weiterentwicklung der Oberstufe. So setzen wir es ein, um Lehrer-, Schüler und Elternbefragungen zur Zukunft unser Sekundarstufe II durchzuführen.

Du hast das Buch „55 Webtools für den Unterricht“ geschrieben. Wie können Apps und Webseiten sinnvoll in den Unterricht integriert werden?

Am besten in Schülerhand, wenn damit kreativ und produktiv gearbeitet wird. Marc Albrecht-Hermanns hat dies kürzlich in einem Blogpost gut dargestellt. Die Möglichkeiten und Herausforderungen digitaler Technologie in der Schule habe ich vor einer Weile etwas ausführlicher in diesem Text beschrieben.