Qualität von Ganztagsangeboten aus Sicht der Lernenden

Edkimo kooperiert seit 2020 mit dem Sächsischen Ganztagsschulverband und der Goethe-Universität Frankfurt. Im Rahmen dieser Kooperation stellen wir ein validiertes Fragebogeninistrument (GAINS-GTA) in der Vorlagenbibliothek bereit. Ganztagsangebote werden so durch einen wissenschaftlich erprobten Fragebogen aus Sicht der Schüler*innen digital evaluierbar, wobei eine leicht verständliche Darstellung der Ergebnisse unkompliziert Rückschlüsse auf verschiedene Qualitätsmerkmale des Ganztags ermöglicht. Im Interview mit Christoph Bülau vom Sächsichen Ganztagsschulverband berichten Dr. Dennis Nowak, Dr. Fabienne Ennigkeit und Sebastian Waack wie es dazu kam.

Das Interview erschien zuerst in der Zeitschrift Schulentwicklung konkret: Arbeitshilfe zum Qualitätsrahmen Ganztagsangebote des Sächsischen Ganztagsschulverbands, 2020, S. 62-65. (PDF herunterladen)

Was ist die GAINS-GTA-Skala?

Dennis: Bei der GAINS-GTA-Skala handelt es sich um einen kurzen onlinebasierten Fragebogen, mit dem die Qualität eines Ganztagsangebots aus der Perspektive der Schüler*innen bewertet wird. Der Fragebogen besteht aus 28 Aussagen, z. B. „Diese AG macht mir Spaß“ oder „In dieser AG helfen wir uns gegenseitig“. Die Schüler*innen schätzen ein, wie sehr diese Aussagen auf sie zutreffen.

Fabienne: Die Antworten lassen sich zu vier Werten zusammenfassen, die die folgenden Qualitätsmerkmale von Ganztagsangeboten abbilden: Bei der Lernförderlichkeit geht es darum, ob die Lernenden das Angebot als nützlich für ihren Alltag und ihr schulisches Vorankommen einschätzen. Das Interesse steht für positive Emotionen und persönliche Bedeutsamkeiten, die die Kinder und Jugendlichen mit dem Angebot verbinden. Das nächste Merkmal ist die pädagogische Unterstützung, bei der eine emotional positive Beziehung zwischen Schüler*innen und GTA-Leitung sowie Mitbestimmungsmöglichkeiten für die Lernenden im Mittelpunkt stehen. Eine gute und am Lernen orientierte Gemeinschaft wird von den Kindern und Jugendlichen im Merkmal Lerngemeinschaft beurteilt.

Dennis: Das Besondere an diesem Fragebogen ist, dass damit – anders als bei bisherigen Fragebögen – die Qualität von allen Angebotstypen erfasst werden kann, also z. B. von Förderangeboten, aber auch musisch-künstlerischen oder Sportangeboten. Damit ist es erstmals möglich, die Qualität verschiedener Arten von Angeboten zu vergleichen. Die GAINS-GTA-Skala wurde im Rahmen meiner Dissertation an der Goethe-Universität entwickelt und ist Teil eines größeren Fragebogens, dem Fragebogen „Ganztag: Interne Evaluation für Schulen“ oder kurz: GAINS. Mit diesem kann das gesamte Ganztagsangebot einer Schule evaluiert werden – also nicht nur ein einzelnes GTA, sondern auch die Vielfalt der Angebote oder wahrgenommene Auswirkungen der Teilnahme. Und das Ganze aus der Perspektive der Zielgruppe, nämlich den Schüler*innen.

Fabienne: Die Güte von GAINS wurde in einem mehrstufigen Prozess geprüft. Aus wissenschaftlicher Sicht handelt es sich um einen zuverlässigen Fragebogen. Man kann also sagen, dass er die Gütekriterien der Objektivität, Reliabilität und Validität erfüllt.

Wozu sollten Schulen bzw. außerschulische Bildungsanbieter*innen
die GAINS-GTA-Skala einsetzen?

Dennis: Eigentlich müssten ja alle Bildungsanbieter*innen wissen wollen, wie ihr Angebot von den Teilnehmenden wahrgenommen wird. Dazu kann man sie natürlich einfach fragen – und die Antworten sind ja häufig auch sehr hilfreich. Allerdings bietet die GAINS-GTA-Skala den Vorteil, dass die Fragen auf Basis wissenschaftlicher Ganztagsschulforschung entwickelt wurden und daher solche Aspekte thematisiert werden, die sich als zentral für Ganztagsschulqualität herausgestellt haben. Außerdem sind die Antworten durch das standardisierte Vorgehen vergleichbar – sowohl für Ganztagskoordinator*innen, die verschiedene Angebote am Ende eines Schulhalbjahres vergleichen können, als auch für eine einzelne GTA-Leitung im Verlauf eines Schulhalbjahres zur Erfassung von Veränderungen.

Fabienne: Wir wissen sowohl aus der eigenen Praxis als auch der Schulforschung, dass Evaluationen aufgrund von z. B. fehlender Zeit oder fehlenden Unterstützungsleistungen nicht oder nur unregelmäßig durchgeführt werden – obwohl sie eigentlich Teil von professioneller Entwicklungsarbeit sein sollten. Im Vergleich zu einem lockeren Gespräch zwischen Lernenden und GTA-Leitung ist mit der GAINS-GTA-Skala eine Bewertung deutlich effizienter und systematischer möglich.

Dennis: Nicht vergessen werden darf auch, dass es aus pädagogischer Sicht sehr sinnvoll ist, die Schüler*innen zu befragen. Je stärker sie an der Mitgestaltung ihrer Ganztagsangebote beteiligt werden, desto selbstbestimmter fühlen sie sich. Und es ist bekannt, dass dadurch Eigenverantwortung und Demokratielernen gefördert werden.

Wie genau arbeite ich mit der GAINS-GTA-Skala?

Fabienne: Da die GAINS-GTA-Skala ja bereits als Fragebogen in Edkimo vorliegt, ist der Einsatz tatsächlich sehr einfach.
Die Datenerhebung kann während oder außerhalb der GTA-Zeit über die gängigen digitalen Endgeräte erfolgen. Dies können die Smartphones der Schüler*innen sein oder auch die Computer im Computerraum der Schule. In der Regel dauert die Beantwortung des Fragebogens in etwa fünf Minuten.

Dennis: Die Ergebnisse können sofort im Anschluss über die Edkimo-Seite angesehen werden – auf Wunsch auch von den Teilnehmenden selbst. Als sehr hilfreich hat sich dabei die Darstellung der Antworten herausgestellt: Neben den Gesamtwerten für die Lernförderlichkeit, das Interesse, die pädagogische Unterstützung und die Lerngemeinschaft gibt direkt zu Beginn die Zusammenfassung der Ergebnisse einen schnellen und hilfreichen Überblick, wo bei den Schüler*innen sowohl positive als auch negative Übereinstimmungen bestehen und bei welchen Aussagen sich die Lernenden uneinig waren.

Wie gehe ich mit den Ergebnissen um?

Dennis: Wie schon erwähnt, soll die Verwendung der GAINS-GTA-Skala dazu dienen, die Qualität von Ganztagsangeboten einerseits zu sichern als auch andererseits weiterzuentwickeln. Die bisherigen Rückmeldungen sowohl von Schulen als auch außerschulischen Bildungsanbieter*innen zeigen, dass mithilfe der Ergebnisse die Qualität der Angebote weiterentwickelt und Kooperationen professionalisiert wurden. Die Besprechung der Ergebnisse mit den Schüler*innen ist zudem ein guter Anlass, um über die GTA-Gestaltung ins Gespräch zu kommen.

Fabienne: Nehmen wir mal ein Beispiel: Es hat sich im Zuge der Befragung herausgestellt, dass die Lernenden mit der pädagogischen Unterstützung in ihrem GTA unzufrieden sind. Nun wäre der nächste Schritt, dass die GTA-Leitung für sich, gemeinsam mit der Ganztagskoordination oder auch den Schüler*innen überlegt, wie sie das Verhältnis zu den Lernenden verbessern und ihnen mehr Möglichkeiten zur Mitbestimmung geben kann.

Dennis: Wir finden es ganz wichtig, dass Datenerhebung und Datenauswertung so wenig Zeit wie möglich in Anspruch nehmen. Wenn man schon evaluiert, sollte der Großteil der Zeit für die Analyse der Ergebnisse und die Entwicklung möglicher Maßnahmen zur Verfügung stehen. Unsere bisherigen Erfahrungen zeigen, dass das Verhältnis von Aufwand und Nutzen von Schulen und außerschulischen Bildungsanbietern sehr positiv bewertet wird.

Fabienne Ennigkeit, Dr. phil., ist Akademische Rätin in der Abteilung Sportpädagogik des Instituts für Sportwissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Sie beschäftigt sich u. a. mit quantitativen Forschungsmethoden in der empirischen Bildungsforschung.
Dennis Nowak, Dr. phil., arbeitet als Oberstudienrat mit den Fächern Englisch und Sport am Adorno-Gymnasium in Frankfurt am Main, als abgeordnete Lehrkraft am Medienzentrum Frankfurt und dem Staatlichen Schulamt sowie als Lehrbeauftragter am Institut für Sportwissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Was ist Edkimo?

Sebastian: Edkimo ist eine Echtzeit-Feedback-App für Schule und Unterricht. Die Anwendung lässt sich, anders als Papierfragebogen, mühelos in den Schulalltag integrieren: die Lehrkraft stellt Fragen, Schüler*innen geben Rückmeldungen, Edkimo visualisiert die Ergebnisse leicht verständlich. So treten Lehrende und Lernende in einen Dialog über den Lernprozess. Der anonyme und konstruktive Rückkanal verbessert die Unterrichtsqualität, die Berufszufriedenheit der Lehrkräfte und letztlich auch den Lernerfolg der Schüler*innen. Edkimo ist niedrigschwellig, schnell und flexibel anpassbar und wird von Schüler*innen und Lehrkräften gleichermaßen gut angenommen.

Wozu sollte ich als Schule mit Ganztagsangeboten mit Edkimo arbeiten?

Sebastian: Im gesamten Prozess der Schul- und Unterrichtsentwicklung ist es hilfreich die Sichtweise der Schülerinnen und Schüler einzuholen. Sie wissen oft am besten, was gut funktioniert und an welchen Stellen es hakt. Mit Edkimo und der GAINS-GTA-Skala werden Einzelangebote aus Schüler*innen-Sicht evaluierbar. Im Rahmen einer Kooperation mit dem sächsischen Ganztagsschulverband stellen wir Edkimo für alle Angebotsleitungen kostenfrei zur Verfügung. Sie registrieren sich bei Edkimo und können sofort loslegen.

Wie genau ist die GAINS-GTA-Skala auf Edkimo eingebunden?

Sebastian: Der Fragebogen steht fertig bereit. Im Rahmen eines Modellprojekts zwischen Edkimo und dem Ganztagsschulverband e.V. Landesverband Sachsen steht er allen sächsischen Schulen mit Ganztagsangeboten kostenfrei zur Verfügung. Die Angebotsleitung meldet sich bei Edkimo an, wählt die GAINS-GTA-Skala als Vorlage aus, trägt den Namen des Angebots ein und erstellt mit einem Klick die Befragung. Jede Befragung hat einen Feedback-Code und einen QR-Code, mit dem die Schüler*innen mit ihrem Smartphone ganz einfach zum Fragebogen gelangen. Wenn sie alles fertig beantwortet haben, sieht die Angebotsleitung in ihrem Edkimo-Account unmittelbar die Ergebnisse. Natürlich funktioniert unsere Anwendung auch im Computerraum der Schule, auf dem Rechner oder Tablet zu Hause.

Wie wertet Edkimo die Angebotsqualität aus und was mache ich damit?

Sebastian: Zusammen mit dem Autor*innenteam haben wir die GAINS-GTA-Skala als wissenschaftlich fundierte und validierte Skala in die Edkimo-Plattform eingebunden. Unsere Feedback-Plattform wertet die vier Qualitätsbereiche bzw. Subskalen aus – Lernförderlichkeit, Interesse, Pädagogische Unterstützung und Lerngemeinschaft – und zwar sowohl grafisch als auch in Textform. Das bedeutet für die GTA-Koordinator*innen eine schnelle Sichtbarkeit der Qualitätsbereiche durch Kreisdiagramme und eine schnelle Übersicht über den positivsten, negativsten und kontroversesten Punkt in einer Befragung. Für die Evaluation spart das viel Zeit und hilft dabei, von der Datenauswertung schnell in die datengestützte Diskussion einzusteigen und gemeinsam Maßnahmen zur Weiterentwicklung der Angebote zu entwickeln.

Vielen Dank für das Gespräch!

Haben wir Ihr Interesse geweckt? Dann nutzen Sie doch die Edkimo Bibliotheksvorlage der GAINS- GTA-Skala und fragen Sie Ihre Schüler*innen nach Feedback zum Ganztagsangebot an Ihrer Schule!
Weitere lohnenswerte Vorlagen finden Sie in unserer Edkimo Bibliothek. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei der Gestaltung Ihres Ganztagsangebots!

Die Inhalte dieses Beitrags stammen aus: Bülau, C. (Hrsg.), Arbeitshilfe zum Qualitätsrahmen Ganztagsangebote, Leipzig, 2020, S. 62 – 65. PDF herunterladen

Sebastian Waack ist Gründer und Geschäftsführer von Edkimo. Nach seinem Lehramtsstudium für Mathematik und Physik an der Universität Leipzig arbeitete er in Berlin als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut zur Qualität im Bildungswesen (IQB) und bis 2020 als Lehrer an der Gemeinschaftsschule auf dem Campus Rütli.

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